Festvortrag von Dr. Michael Klimke in Augsburg über KI als Werkzeug, Verantwortung und Kompass für neugierige und mutige Promovierten.
Am Nachmittag des 21. November 2025 füllte sich Hörsaal der Juristischen Fakultät mit frisch Promovierten, ihren Familien, Betreuenden und Gästen.
Die Präsidentin der Universität, Prof. Dr. Sabine Doering-Manteuffel, wurde entschuldigt und würdevoll durch Vizepräsident Prof. Dr. Peter Welzel vertreten. In seiner Eröffnung der Promotionsfeier unterstrich er, dass hier nicht nur akademische Abschlüsse gewürdigt werden, sondern ein wichtiger Schritt im Leben der Promovierten.
Nach musikalischem Auftakt und der Preisverleihungen, leitete der Vizepräsident zum Festvortrag über, der die Brücke zwischen wissenschaftlicher Exzellenz und den Herausforderungen einer von KI geprägten Zukunft schlagen sollte.

Dr. Michael Klimke und sein Weg
Dr. Michael Klimke, Luft- und Raumfahrtingenieur und Geschäftsführer der Bayerischen KI-Agentur „Baiosphere“, brachte einen ungewöhnlich vielfältigen Lebensweg mit nach Augsburg.
Nach seiner Promotion in Stuttgart und Forschungsarbeiten zur Nutzung von Solarenergie im All führte ihn sein Weg zunächst in eine Hilfsorganisation in Berlin, später an die TU München, wo er die TUM Graduate School mitaufbaute und an der Gründung der Fakultät für Luftfahrt, Raumfahrt und Geodäsie beteiligt war.
Heute koordiniert er das bayerische KI-Ökosystem, in dem über 130 neue KI-Professuren, zahlreiche Studiengänge und Netzwerke wie das KI-Produktionsnetzwerk Augsburg entstanden sind, ein Umfeld, in dem Forschung, Wirtschaft und Gesellschaft eng zusammenarbeiten. Diese Entwicklung zeigt, wie KI zunehmend als Querschnittstechnologie verstanden wird, die in alle Lebensbereiche hineinwirkt und neue Kooperationen ermöglicht.
Was KI ist – und was nicht
Dr. Klimke begann seinen Vortrag mit einer nüchternen Einordnung dessen, was künstliche Intelligenz leisten kann.
KI ist zuerst einmal ein Werkzeug, kein Allmachtsversprechen, kein Alles-oder-Nichts, sondern ein Instrument, das wie ein Hammer, unsere Möglichkeiten erweitert.
Dr. Michael Klimke
Gerade in der Forschung beschleunigt KI viele Prozesse enorm, von der Entdeckung neuer Proteinstrukturen über robotische Simulationen bis zur Analyse riesiger Textkorpora, ohne jedoch das eigenständige Denken zu ersetzen. Die Fähigkeit, gute Fragen zu stellen, bleibe „zutiefst menschlich“. Eine Botschaft, die klar und eindeutig ist, nicht nur für die Promovierten.
KI als gesellschaftliche Aufgabe
Im zweiten Teil rückte Klimke die gesellschaftliche Verantwortung ins Zentrum. KI ist nicht selbständig, weil sie von Menschen programmiert und mit Daten gefüttert werden muss.
Wir entscheiden über die Daten, über das Design der Systeme und über ihren Einsatz.
Dr. Michael Klimke
So seine eindringliche Erinnerung daran, dass algorithmische Entscheidungen stets in einen Wertehorizont eingebettet sind. Anhand von Beispielen aus Bereichen wie militärischer Aufklärung oder kritischer Infrastruktur machte er deutlich, wie Verzerrungen in Trainingsdaten zu fatalen Fehlentscheidungen führen können und weshalb es Forschende braucht, die KI verstehen, gestalten und kritisch begleiten.
Augsburg im bayerischen KI‑Ökosystem
Besonders aufmerksam wurde es im Hörsaal, als Klimke die Rolle Augsburgs im bayerischen KI-Netzwerk hervorhob. Die ehemalige Textil- und Handelsstadt sei zu einer Wissens- und Innovationsstadt geworden, die massiv in KI, Produktionstechnik, IT-Sicherheit und Ressourceneffizienz investiere.
Neue Forschungsinstitute, ein KI‑Showroom, das Netzwerk „Digital Security Augsburg“ und das KI‑Produktionsnetzwerk machten die Universität Augsburg zu einem zentralen Standort, an dem sich die Formel „KI, Produktion, Sicherheit“ exemplarisch verdichtet, ein klares Signal an die Promovierten, dass die Universtität Augsburg ein Teil einer größeren strategischen Agenda ist. Die Stadt steht damit für einen Wandel, der nicht nur wirtschaftlich, sondern auch kulturell und sozial spürbar wird.
Ein persönlicher Weg zwischen Weltraum und Sozialarbeit
Besonders eindrucksvoll war Klimkes Offenheit, mit der er über eigene Unsicherheiten in der Promotionsphase sprach. Er erzählte von Zeiten, in denen er sich „ziemlich verloren, lost in time and space“ fühlte und den Austausch, das Coaching und die strukturierte Graduiertenausbildung vermisste, die heute in Augsburg selbstverständlich sind.
Umso spannender war der Kontrast zu seinen späteren Stationen, von visionären Konzepten für Solarenergie im Weltall über die bodenständige Sozialarbeit im Berlin bis hin zu strategischen Aufgaben in Hochschulleitung und Innovationspolitik, eine Biografie, die zeigt, welche unerwarteten Türen eine Promotion öffnen kann.
Drei Impulse an die Promovierten
Zum Schluss des Vortrags ließen sich die Worte von Dr. Klimke gut in drei Kernbotschaften bündeln.
1. Vertrauen in die eigene Neugier
Neugier ist der Motor der wissenschaftlichen Arbeit und persönlicher Entwicklung. Neugier befähigt dazu, Fragen zu stellen, die noch niemand gestellt hat, egal ob mit KI oder ohne. Also nicht nur Bestehendes zu optimieren, sondern wirklich Neues in die Welt zu bringen.
2. Menschen begegnen als Fundament
Tragfähige Netzwerke und Mentoring-sind keine „Wichtigtuerei“, sondern Grundlage guter Zusammenarbeit. Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft können nur dann verantwortungsvoll mit KI und Innovation umgehen, wenn Menschen sich gegenseitig unterstützen, Wissen teilen und einander kritisch, aber wohlwollend begegnen.
3. Dem eigenen Herzen folgen
Die dritte Botschaft zielt auf biografische Freiheit und Mut, den eigenen Weg zu wählen, auch jenseits klassischer Karriereschablonen und den auch zu gehen.
Ob in Forschung, Zivilgesellschaft oder Unternehmertum, entscheidend ist, Engagement und innere Überzeugung zusammenzubringen, statt sich allein von äußeren Erwartungen treiben zu lassen.
So dargestellt formt Dr. Klimkes Schlusswort eine Art Kompass, Neugier als Antrieb, Gemeinschaft als Rückhalt und das eigene Herz als Richtung.
Abschluss und Dank
Der Festvortrag von Dr. Michael Klimke war ein eindrücklicher Aufruf, sich nicht von Technologie verführen zu lassen, sondern sie verantwortungsvoll und kreativ zu nutzen und dabei immer die eigene Neugier, das eigene Netzwerk und die eigene Leidenschaft im Blick zu behalten.
Danke, dass ich dabei sein dürfte und danke für den spannenden Vortrag, der nicht nur mir, sondern allen Promovierten Mut für den weiteren Karriereweg gegeben hat.
English https://medium.com/@henryertner/festive-lecture-by-dr-fd686c2066f2


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