Nach dem Vortrag von Dr. Merhautova öffnete Herr Dr. Jan Chodejovsky die Türen zu den faszinierenden Beständen des Masaryk-Instituts und des Archivs der Akademie der Wissenschaften. Dabei zeigte er uns eine Auswahl an Archivalien, die für die wissenschaftliche und historische Forschung von großer Bedeutung sind.

Wir haben jetzt mal sowohl hier als auch neben aus unseren Archivbeständen was vorbereitet für unsere Exkursion. Da wir jetzt nicht nur Masaryk-Institut sind, sondern auch Archiv der Akademie der Wissenschaft, mindestens die Hälfte der Bestände hat mit der Akademie was zu tun.

PhDr. Jan Chodějovský, Ph.D.

Besonders interessant sind die Dokumente, welche die mehrsprachige und multikulturelle Geschichte der Tschechoslowakei widerspiegeln, darunter auch Materialien aus deutschen wissenschaftlichen Institutionen der Region.

Tagebuch von Professor Wilhelm Weizsäcker – Handschriftliche Herausforderungen

Ein herausragendes Objekt war das Tagebuch von Wilhelm Weizsäcker, Professor an der Deutschen Prager Universität, geöffnet auf dem Eintrag vom 1. September 1939, dem Beginn des Zweiten Weltkriegs. Leider sind dessen handschriftliche Notizen nur schwer lesbar. Dr. Chodejovsky erklärte hierzu:

Diese handschriftlichen Geschichten sind sehr schwer zu entziffern. Man müsste die Schrift des Schreibers erst lernen, um sie zu Wort zu bringen.

PhDr. Jan Chodějovský, Ph.D.

Die Herausforderung, handschriftliche Dokumente lesbar zu machen, stellt eine wichtige Hürde für die Archivforschung dar.

Modernes Archiv auf vier Stockwerken und bedeutende Gegenstände

Im Anschluss führten uns die nächsten Schritte in das eigentliche Archiv, das sich über vier klimatisierte Stockwerke erstreckt. Hier werden nicht nur Dokumente sicher verwahrt, sondern auch zahlreiche Objekte von historischem Wert, darunter persönliche Gegenstände und einzigartige Schätze.

Ein besonderer Höhepunkt war für viele Anwesende der echte Nobelpreis von Professor Jaroslav Heyrovský, einem tschechischen Chemiker. Dr. Chodejovsky bemerkte dazu:

Es ist nicht so oft, dass man einen echten Nobelpreis in die Hände bekommt.

PhDr. Jan Chodějovský, Ph.D.

Zusätzlich wurden Gegenstände aus dem Leben von Tomáš Garrigue Masaryk und alte Gründungsunterlagen aus der Monarchie präsentiert, die das kulturelle Erbe des Landes lebendig machen.

Persönliche Fonds von Professoren der Deutschen Prager Universität

Unter den Archivbeständen befinden sich auch persönliche Nachlässe von Professoren der Deutschen Prager Universität, die 1945 geschlossen wurde. Dr. Chodejovsky erklärt den Zustand dieser Fonds:

Das ist nicht erschlossen. Das ist nicht vollständige katalogisiert, wir wissen teilweise nicht mal, was wir alles im Archiv haben.

PhDr. Jan Chodějovský, Ph.D.

Diese Quellen bieten ein riesiges Potenzial für zukünftige Forschungen. Auf die Frage, ob an diesen Beständen überhaupt gearbeitet wird, antwortet Dr. Chodejovsky:

Die Antwort ist ja sehr selten. Wenn etwas verwendet wird, ist es die Korrespondenz. Diese ganzen alten Tagebücher bzw. auch Schriften werden zurzeit nicht bearbeitet und nicht untersucht.

PhDr. Jan Chodějovský, Ph.D.

Dies verdeutlicht die Notwendigkeit, mehr Forscher für diese Schatzkammern der Geschichte zu gewinnen.

Geschichte der Universitätsinsignien

Dr. Chodejovsky erklärte auch historische Begebenheiten, beispielsweise die wechselvolle Geschichte der Universitätsinsignien, die zwischen der Deutschen Prager Universität und der tschechischen Karls Universität wechselten, besonders während politischer Umbrüche.

Die Gewinner schreiben die Geschichte, das ist ja wohl bekannt. Am Ende des Krieges sind die Insignien verloren gegangen.

PhDr. Jan Chodějovský, Ph.D.

Im Archiv haben wir Fotografien der originalen Insignien der Karls Universität gesehen.

Kulturelle Highlights und Archivschätze

Ein kulturelles Highlight wird das 150-jährige Jubiläum von Rainer Maria Rilke, der in Prag geboren wurde und auch an der Deutschen Universität studierte. Viele seiner Dokumente befinden sich im Archiv und werden für Ausstellungen genutzt.

Dr. Chodejovsky sieht großes Potenzial in der digitalen Erschließung dieser Materialien, die warten einfach auf die neue Generation der Forscher, die sich für diese Themen interessieren und sich dran machen an die Arbeit. Die fortschreitende Digitalisierung könnte helfen, die Handschriften besser lesbar zu machen und den Zugang zu den bislang wenig genutzten Quellen zu erleichtern.

Danksagung an Dr. Merhautova und Dr. Chodejovsky

Ein herzlicher Dank gebührt Dr. Merhautova und Dr. Chodejovsky für diese außergewöhnlich spannende und lehrreiche Exkursion. Ihre fachkundige Führung, gepaart mit der Leidenschaft für die geschichtlichen Schätze und das Archivmaterial, hat uns einen tiefen Einblick in die verborgenen Schätze des Masaryk-Instituts und des Archives der Akademie der Wissenschaften ermöglicht.

Diese Erfahrung ist uneingeschränkt weiterzuempfehlen für alle, die sich für Geschichte, Archivarbeit und die kulturelle Vielfalt Mitteleuropas interessieren. Vielen Dank für dieses unvergessliche Erlebnis, das neue Perspektiven öffnet und zum Forschen und Entdecken inspiriert.

Unsere nächsten Schritte führten uns dann in das Archiv der Karls-Universität, wo wir gespannt erwartet wurden, um dort weitere bedeutende Bestände und spannende Einblicke in die Geschichte der Universität und ihrer Wissenschaftler zu erhalten.

Die Exkursion wurde von der Bayerisch-Tschechischen Hochschulagentur (BTHA) gefördert.

Deutsch https://www.henryertner.com/4-6-exkursion-nach-prag-archivfuehrung/

English https://medium.com/@henryertner/4-6-excursion-to-prague-guided-tour-of-the-archive-16c8cd9d9912

Česky https://medium.seznam.cz/clanek/henry-ertner-exkurze-do-prahy-prohlidka-archivu-205199


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